IRA

Industrieelle ReserveArmee

Marx schrieb, das Kapital bedürfe immer jener, die, bildlich gesprochen, vor den Werkstoren auf Einlass warten, um selbst ausgebeutet zu werden, ihre Arbeitskraft zu verkaufen: für den produktiven Notfall und nicht zuletzt dafür, den möglichen Forderungen jener zu begegnen, die schon drin sind.

Jene ReserveArmee da draußen gleicht nicht der Besatzung eines Kriegsschiffes, sondern eher dem losen Verband eines Söldnerheeres, wenn es ab und an zusammengeführt wird: auf dem Amt, vorübergehend via Leiharbeit, im Minijob.

Solidarität ist nicht ihre natürliche Eigenschaft. Die Leiharbeiterinnen schimpfen auf jene im Alg II-Bezug, die Stammbelegschaften atmen erleichtert auf, wenn in Zeiten der Krise die Leiharbeiter jenen Puffer bilden, der zuerst abgebaut wird und ihnen die zweifelhafte Sicherheit eines festen Arbeitsplatzes gibt. Und auf allen Ebenen findet sich Rassismus, Sexismus und jede andere Ideologie der Ausgrenzung, die die Verantwortung für die Misere nicht in einem auf Ausbeutung basierenden Wirtschaftssystem sucht, sondern in den ihm Unterworfenen – mit Vorzug in jenen, die man auf der gesellschaftlichen Stufenleiter unter sich verortet.

Wir wollen nicht nur die Unsichtbarkeit der Armee aufbrechen, sondern auch jene Verhältnisse aufdecken, die uns immer wieder in die Tretmühle führen, ihren Aufbau betrachten, stets mit der leisen Hoffnung, sie eines Tages zu zertreten und etwas neues zu bauen, dass ohne Herr- und Knechtschaft auskommt.

Unsere Pressemitteilung zum 30. April 2011 auf jenapolis.